Werte geneigte Leser des fakeJournal, die zunehmenden Kriege unserer Zeit folgen einer Logik, die sich selbst beschleunigt: Was einmal als begrenzter Konflikt beginnt, neigt dazu, alles zu erfassen, was noch steht. Der Wille, den Gegner nicht nur zu besiegen, sondern bis zur Unkenntlichkeit zu vernichten, erscheint als letzte Konsequenz einer Welt, in der Kompromiss als Schwäche gilt.
Die Mechanik der totalen Vernichtung
Sobald der Krieg zum Selbstzweck wird, verliert er sein ursprüngliches Maß. Clausewitz hat diese Tendenz bereits klar benannt: „Der Krieg ist ein Akt der Gewalt, und es gibt keine Grenze in der Anwendung dieser Gewalt.“ Nicht mehr ein politisches Ziel steht im Vordergrund, sondern die Herstellung eines Zustands, in dem nichts mehr widerstehen kann. Jede noch vorhandene Struktur – eine Stadt, eine Infrastruktur, eine Erinnerung – wird zur potenziellen Ressource des Feindes und damit zum Ziel. Die Zerstörung folgt dann keiner Strategie mehr, sondern einer Reinigungslogik: Nur das, was vollständig ausgelöscht ist, gilt als gesichert. In dieser Haltung zeigt sich eine eigentümliche Form der Macht, die sich allein im Verschwinden des Anderen bestätigt. Je mehr vernichtet wird, desto größer erscheint die eigene Souveränität. Doch diese Souveränität ist hohl, denn sie beruht nicht auf dem Aufbau einer Ordnung, sondern auf der fortgesetzten Beseitigung jeder möglichen Gegenordnung. Der Krieg, der so geführt wird, kennt kein Ende, weil das Ende – das völlige Fehlen von Widerstand – zugleich den Verlust jedes äußeren Maßstabs bedeutet.
Was nach dem Nichts bleibt
Wenn nichts mehr steht, bleibt nicht die erhoffte Stille, sondern eine Leere, die sofort wieder gefüllt werden will. Der Mensch, der alles zerstört hat, was ihm entgegenstand, findet sich einer Landschaft gegenüber, die keine Antworten mehr gibt. In dieser Leere offenbart sich, dass die Vernichtung kein letztes Wort sein kann: Sie erzeugt keinen Frieden, sondern lediglich die Abwesenheit von Krieg. Was übrig bleibt, ist die nackte Tatsache des Weiterlebens ohne Bezug. Philosophisch betrachtet tritt hier die Grenze jeder zerstörerischen Praxis zutage. Die totale Vernichtung kann keine neue Welt begründen, weil sie das Material jeder Begründung selbst beseitigt hat. Übrig bleibt eine Form der Freiheit, die sich nicht als Möglichkeit, sondern als bloße Ungebundenheit zeigt – ungebunden auch an jede Zukunft. Ob aus dieser Ungebundenheit etwas anderes entsteht als die Wiederholung derselben Logik, hängt davon ab, ob sich noch ein Maß finden lässt, das nicht im Gegner, sondern in der eigenen Endlichkeit liegt. Ohne ein solches Maß bleibt nur der Kreislauf: solange kaputt machen, bis nichts mehr steht – und dann von vorn.
fakeJournal – Der Krieg ist ein Akt der Gewalt, und es gibt keine Grenze in der Anwendung dieser Gewalt. Text SI generiert; Bild, Baraa Obied/Pexels – Desolate War-Torn Ruins in Damascus: Eine verwüstete Straße mit ausgehöhlten Gebäuden und Schuttbergen in Damaskus. Es visualisiert die Idee des „solange kaputt machen, bis nichts mehr steht“ sehr direkt.







