Andere Staaten halten Deutschland weiterhin für wichtig — als größte EU-Volkswirtschaft, geografische Mitte und zunehmend als europäischer Rüstungsträger. Gleichzeitig beschreiben ausländische Medien und Fachkreise das Land 2026 als innenpolitisch geschwächt und damit weniger berechenbar. Direkte Schelte von Regierungschefs an der deutschen Innenpolitik ist selten; die Sorge zeigt sich eher in Analysen und im Verhalten der Partner.
Gewicht: unverzichtbar, aber relativ kleiner
Deutschland bleibt strukturell zentral. Es ist die größte Volkswirtschaft der EU, sitzt in der Mitte der Lieferketten nach Mittelosteuropa und hat unter Kanzler Friedrich Merz den Verteidigungshaushalt so stark angehoben, dass Berlin bis Ende des Jahrzehnts voraussichtlich so viel für Verteidigung ausgibt wie Frankreich und Großbritannien zusammen. Unter Merz ist Deutschland zudem der größte militärische Unterstützer der Ukraine geworden. Merz selbst sagte Anfang Oktober 2026 bei der Verleihung des Westfälischen Friedenspreises an die NATO sinngemäß, die Augen Europas ruhten gerade besonders auf Deutschland: Wenn Berlin wanke, könne das für die Ukraine und die europäische Sicherheit folgenreich sein.
Die akademische Formel dafür ist älter. Der damalige polnische Außenminister Radosław Sikorski sagte 2011, Deutschland sei „Europas unverzichtbare Nation“ — und er fürchte deutsche Untätigkeit mehr als deutsche Macht. Genau diese Spannung prägt die Debatte 2026 wieder. In *International Affairs* wird von einem „neuen deutschen Problem“ gesprochen: Erwartungen der Partner, wirtschaftliche und militärische Fähigkeiten und der innenpolitische Wille, sie einzusetzen, passen nicht zusammen.
Relativ gesehen schrumpft das Gewicht aber. Der Anteil Deutschlands an der Weltwirtschaft ist laut IWF-Daten seit 1980 von knapp 7 auf unter 3 Prozent gefallen; innerhalb der EU ist der Anteil ebenfalls gesunken. Seit 2019 stagniert die Wirtschaft weitgehend. 2025 lag das Wachstum bei etwa 0,2 Prozent, für 2026 hat das Wirtschaftsministerium die Prognose auf 0,5 Prozent gesenkt — unter anderem wegen Energiepreisen. Chinesische Exporte drücken auf Auto- und Maschinenbau („China Shock 2.0“), deutsche Exporte nach China sanken in der ersten Hälfte 2026 um mehr als 12 Prozent. Der Atlantic Council warnt, die deutsche Schwäche ziehe die mittelosteuropäische Industrie mit.
Innenpolitik: Ausland sieht Instabilität und AfD-Aufstieg
Die ausländische Presse beschreibt die Lage nach den Landtagswahlen im September 2026 überwiegend als Krise der Regierung, nicht als Ende der deutschen Relevanz.
– Die BBC schreibt von einer „Identitätskrise“ und einem Kanzler „auf geborgter Zeit“. Die CDU fiel in Mecklenburg-Vorpommern unter die Fünf-Prozent-Hürde (erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik), die AfD wurde dort mit rund 38 Prozent stärkste Kraft; in Sachsen-Anhalt kam die AfD auf knapp 44 Prozent, in Berlin lag die Linke vor der CDU.
– Die New York Times und Foreign Policy (Jeff Rathke, American-German Institute) sehen Merz im Kampf ums politische Überleben. Foreign Policy titelte Ende September „Germany Is Officially Adrift“: Die Macht des Kanzlers schwinde im Inland, die Folgen seien global, weil Berlin Europas Rückgrat bei Aufrüstung und Ukraine-Hilfe sein solle.
– Al Jazeera und der ARD-Deutschlandtrend berichten, nur noch etwa jeder zehnte Befragte sei mit Merz zufrieden — der niedrigste Wert für einen Kanzler seit Beginn der Erhebung 1997. Rund 84 Prozent waren unzufrieden mit der Regierung.
– Politico notierte Anfang Oktober, Merz habe Verbündete in Europa und Kiew ausdrücklich beruhigen wollen, die innenpolitische Schwäche werde die Ukraine-Unterstützung nicht untergraben. Die AfD-Erfolge hätten in Kiew und in europäischen Hauptstädten die Sorge geweckt, der größte militärische Unterstützer könnte wanken.
– Euractiv formuliert die „neue deutsche Frage“ so: Können andere Länder sich auf deutsch geführte Sicherheit verlassen, wenn Deutschland unzuverlässiger wird? Deutschland werde „unentbehrlich, aber erratisch“ — analog zu den USA unter Trump.
Inhaltlich sehen ausländische Beobachter vor allem drei Themen: die seit Jahren lahme Wirtschaft, hohe Energiekosten und die Migrations- und Integrationsdebatte, die der AfD im Osten Zulauf bringt. Merz’ Reformkurs (Rente, Bürokratie, Steuern) gilt als ökonomisch begründet, politisch aber als unbeliebt und kommunikativ schlecht verkauft.
Stimmen von Regierungschefs
Offene Kritik an der deutschen Innenpolitik durch ausländische Regierungschefs ist selten — das wäre diplomatisch unüblich. Was es gibt, ist Zusammenarbeit und gelegentliche Reibung:
- Macron, Starmer, Tusk und Meloni arbeiten mit Merz im E3-/E5-Format an der Ukraine-Politik. Macron und Merz traten 2025 gemeinsam gegen „dunkle Aufklärung“ und autoritäre Strömungen auf.
- Ein EU-Diplomat wurde in der *Financial Times* (Dezember 2025) mit dem Satz zitiert, Macron habe Merz beim Plan verraten, eingefrorene russische Vermögenswerte für die Ukraine zu nutzen, und sich hinter Meloni und Belgien gestellt. Das zeigt Rollenwechsel: Berlin tritt fordernder auf, Paris bremst aus Haushaltsgründen.
- Italiens Vize-Regierungschef Matteo Salvini (Lega) warf Berlin und Paris im November 2025 vor, den Ukraine-Krieg aus innenpolitischen Gründen und zum Waffenverkauf fortsetzen zu wollen. Meloni selbst bleibt auf der europäischen Linie.
- Der Generalsekretär des Europarats sagte Ende September 2026, man könne auf Deutschland zählen, wenn es um Institutionen, Menschenrechte und Rechtsstaat gehe.
Kurz: Partner behandeln Deutschland weiter als unverzichtbar und erwarten Führung, gerade weil die USA unter Trump europäische Sicherheitsgarantien relativieren. Gleichzeitig lesen sie die Landtagswahlen, die Umfragen und die AfD-Stärke als Risiko, dass diese Führung innenpolitisch nicht durchhält. Die Sorge im Ausland gilt weniger einem zu starken Deutschland als einem zu unsicheren.
AI/grok gen Text & Bild
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