Im Mittelalter

nahm man den Leuten das Geld ab, mit der Begründung, dass ihre Sünden dann getilgt sind (“Ablasshandel”)

Heute

nimmt man den Leuten das Geld ab, mit der Begründung, dass das Klima dann besser wird (“CO2-Steuer”)

 

Die Pups-Steuer wird Realität

Dänemark hat als erstes Land der Welt eine Steuer auf die Methan-Emissionen von Kühen und Schweinen eingeführt. Ab 2030 zahlen Bauern für die Rülpser und Fürze ihrer Tiere. Methan ist kurzfristig viel stärker als CO₂ – also macht es irgendwie Sinn, aber der Gedanke an eine „Flatulenz-Steuer“ bleibt trotzdem absurd –

Ölkonzerne finden die CO₂-Steuer super

Die größten Öl- und Gasunternehmen unterstützen überraschend oft eine CO₂-Bepreisung (laut einer Studie bis zu 78 % der Top 50). Das ist ungefähr so logisch, als würden Bäcker für eine Weizensteuer lobbyieren. Gründe sind unter anderem: Kohle (der schmutzigere Konkurrent) wird teurer, und man schiebt die Verantwortung elegant auf den Konsumenten.

Der Stand-up-Ökonom und die unheilige Allianz

Yoram Bauman, der sich selbst als „erster und einziger Stand-up-Ökonom“ bezeichnet, erzählt gern: Der konservative Kolumnist George Will und Al Gore sind sich einig, dass man lieber CO₂ besteuern sollte als Arbeit. Wills Kommentar dazu: „Ein Thema sollte nicht für die Leute verantwortlich gemacht werden, die daran glauben.“ Bauman selbst wirbt mit dem Slogan „Tax what we burn, not what we earn“ (Besteuere, was wir verbrennen, nicht was wir verdienen).

Nächster Schritt: Atemsteuer?

Sobald man Kühe fürs Pupsen besteuert, ist der nächste ironische Schritt nicht weit: Menschen atmen schließlich auch CO₂ aus (und pupsen Methan). Satiriker und Politiker haben das schon mehrfach aufgegriffen – „Wenn Rülpsen und Pupsen eine Sünde wird, wie lange dauert es dann noch bis zur Mensch-Steuer?“

Die CO₂-Steuer schützt uns vor dem Klimawandel, wie die Tabaksteuer vor dem Lungenkrebs.

Carbon Leakage – die globale Ironie

Man besteuert die eigene Industrie, damit sie weniger CO₂ ausstößt. Die Produktion wandert in Länder ohne solche Steuer. Ergebnis: Global steigen die Emissionen manchmal sogar. Besonders pikant, wenn die heimische Produktion eigentlich schon relativ sauber war.

In Deutschland heißt sie oft gar nicht richtig „Steuer“

Was umgangssprachlich „CO₂-Steuer“ genannt wird, ist häufig ein Emissionshandel mit festem Preis (oder Zertifikatehandel). Es ist also streng genommen keine klassische Steuer, die direkt in den allgemeinen Haushalt fließt – aber die Preiserhöhung spürt man trotzdem an der Tankstelle und bei der Heizkostenabrechnung.


Aktuell (Stand November 2026) liegt der CO₂-Preis im nationalen Emissionshandel (nEHS) bei 55–65 € pro Tonne – in der Praxis aber am oberen Ende bei 65 €.

Die Entwicklung seit Einführung

Jahr Preis pro Tonne CO₂ Bemerkung
2021  25 € Festpreis
2022  30 € Festpreis
2023  30 € Festpreis (Erhöhung ausgesetzt)
2024  45 € Festpreis
2025  55 € Festpreis
2026  55–65 € Preiskorridor, Versteigerung. Alle Auktionen bisher bei 65 €
2027  55–65 € Korridor wird fortgesetzt (Bundestagsbeschluss Oktober 2026)

Ab 2028 soll der europäische Emissionshandel ETS 2 für Gebäude und Verkehr starten – dann bildet sich der Preis freier am Markt und dürfte voraussichtlich höher liegen.

Was das konkret kostet (bei 65 €/t, inkl. MwSt. ungefähr)

  • Benzin: ca. 18,5 Cent pro Liter
  • Diesel / Heizöl: ca. 20,5–20,7 Cent pro Liter
  • Erdgas: ca. 1,4–1,55 Cent pro kWh

Beispiel: Ein Haushalt mit 20.000 kWh Gasverbrauch zahlt rechnerisch rund 280–310 € CO₂-Kosten im Jahr. Bei einem Auto mit 15.000 km und 7 l/100 km Benzin sind es etwa 190–200 € extra.

Technisch gesehen ist es keine klassische Steuer, sondern ein CO₂-Preis über Emissionszertifikate (Brennstoffemissionshandelsgesetz). Die Kosten werden von den Anbietern auf die Verbraucher umgelegt und fließen in den Klima- und Transformationsfonds.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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