PhotoCraft: Die freie, open-source Photoshop-Alternative in purem Rust

PhotoCraft ist eine quelloffene, clean-room-Neuimplementierung von Adobe Photoshop, die komplett in der Programmiersprache Rust geschrieben wurde. Das Projekt wurde Ende September 2026 vom ArtCraft-Team (GitHub-Organisation storytold) veröffentlicht und hat innerhalb weniger Tage Zehntausende Sterne auf GitHub gesammelt. Stand Mitte Oktober 2026 liegt die aktuelle Version bei v0.7.0, und das Repository zählt über 50.000 Stars.

Die Software ist kostenlos, dual-lizenziert unter MIT oder Apache-2.0 und läuft nativ auf Windows, macOS, Linux und FreeBSD sowie als WebAssembly-Build im Browser. Es gibt keinen Account-Zwang, kein Abo und keine Cloud-Pflicht für die Kernfunktionen – alles läuft lokal und offline.

 

Bekannt durch Design

Das zentrale Versprechen lautet: Wer Photoshop kennt, kennt auch PhotoCraft. Menüs, Panels, Shortcuts (z. B. Ctrl/Cmd+J für Ebene duplizieren) und Werkzeuge sind bewusst an der Photoshop-Oberfläche ausgerichtet. Dadurch soll der Einstieg ohne Umschulung möglich sein.

Wichtige Funktionen (Stand v0.7.0):

  • Ebenen-System: Gruppen, Clipping-Masken, Pixel- und Vektor-Masken, Füll- und Anpassungsebenen, Smart Objects mit Smart-Filtern, ca. 27 Mischmodi, Deckkraft und Fill.
  • Anpassungsebenen: 16 Typen (u. a. Curves mit Einzelkanal-Bearbeitung, Levels mit Live-Histogramm, Vibrance, Hue/Saturation, Selective Color, Color Lookup).
  • Ebenenstile: Alle klassischen Effekte (Drop Shadow, Inner/Outer Glow, Bevel & Emboss, Stroke, Overlays usw.) – live und auch auf Text anwendbar.
  • Werkzeuge: Über 50–60 Tools, darunter Auswahlwerkzeuge (Marquee, Lasso, Magnetic Lasso, Magic Wand, Object/Quick Selection, Select Subject), Retusche (Spot Healing, Patch, Content-Aware Move, Remove-Tool), Pinsel, Stempel, Pen, Formen und Typ.
  • Filter: Über 70 mit Live-Vorschau, teilweise als Smart-Filter.
  • Farbe: 8-/16-/32-Bit, RGB, CMYK, Lab, Graustufen mit ICC-Farbmanagement und Softproofing.

Neuere Versionen brachten u. a. ein Remove-Tool, OpenRaster-Unterstützung (.ora), verbessertes Crop-Verhalten, HEIC-Öffnen, Relight-Filter und weitere Sprachen.

Starke PSD-Unterstützung

Ein zentraler Fokus liegt auf echter PSD- und PSB-Kompatibilität. Der Parser basiert auf Adobes öffentlichen Spezifikationen und wird gegen reale Testdateien geprüft. Re-Saving erhält in den meisten Fällen die visuelle Darstellung (z. B. 307 von 309 Dateien im psd-tools-Korpus). Nicht modellierte Blöcke werden mitgenommen, statt verworfen zu werden. Es gibt auch ein eigenes .pcraft-Format mit Autosave und Crash-Recovery.

Technisch setzt PhotoCraft auf einen GPU-Compositor über wgpu (Metal, Vulkan, DX12, WebGPU), Copy-on-Write-Kacheln und Multithreading. Die gesamte Engine ist headless nutzbar: über die grafische Oberfläche, eine CLI, einen JSON-Control-Channel oder einen MCP-Server. Damit können KI-Agenten denselben Befehlssatz steuern wie der Mensch.

Ehrliche Status-Einschätzung

Das Projekt selbst bezeichnet sich als Early Alpha und liefert ungewöhnlich transparente Paritäts-Bewertungen gegenüber Photoshop 2026. Nach internen Zahlen (um v0.6.0) liegt die Feature-Breite bei etwa 76 %, während die Eignung für professionellen täglichen Einsatz bei ca. 45 % (Bereich 40–50 %) geschätzt wird. Für Nutzer, die vor allem Kernfunktionen brauchen, liegt der Wert höher (ca. 61 %). Vollständige Parität ist noch ein Stück entfernt – besonders bei Performance, tiefer Workflow-Fidelität, manchen Tools und dem Plugin-Ökosystem.

Was (noch) fehlt:

  • Generative AI / Generative Fill (keine Cloud-KI im Editor; Selektionen und Removes laufen lokal/klassisch).
  • Volle Plugin-Kompatibilität (.8BF etc.).
  • Einige Photoshop-Tools und Workspace-Tiefen.
  • Professionelle Zuverlässigkeit bei jedem PSD und unter hoher Last (noch Alpha-Rauheiten).

Teil der ArtCraft-Crafting-Apps

PhotoCraft gehört zu einer Suite freier Rust-Apps des ArtCraft-Teams, die verschiedene Adobe-Bereiche abdecken (u. a. VectorCraft, FilmCraft, LightCraft). Die Entwicklung nutzte stark KI-Coding-Agenten und erfolgte extrem schnell. Der Fokus liegt auf clean-room-Implementierungen: nur öffentliche Spezifikationen und beobachtbares Verhalten, kein proprietärer Code.

Download und Einstieg

Offizielle Quellen:

Es gibt native Installer (MSI, DMG, AppImage, deb/rpm etc.), portable Varianten und einen Web-Build, den man direkt im Browser ausprobieren kann. Für Source-Builds braucht man Rust (aktuell stabile Toolchain) und kann mit cargo run --release -p photocraft starten.

Fazit: PhotoCraft ist eines der ambitioniertesten und schnellsten Open-Source-Projekte im Bereich professioneller Bildbearbeitung der letzten Jahre. Es bietet bereits eine beeindruckend Photoshop-ähnliche Oberfläche, echte PSD-Roundtrips und moderne Technik (Rust, GPU, Agent-Steuerung) – und das komplett kostenlos und lokal. Als Early Alpha ist es noch kein vollwertiger täglicher Ersatz für anspruchsvolle Profi-Workflows, aber für viele Nutzer und als Alternative ohne Abo bereits interessant und extrem aktiv weiterentwickelt. Wer Photoshop-Kenntnisse hat und freie Software mag, sollte es ausprobieren.

 

 

 

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