Hoch über dem Weißen Haus kreise ich, die Flügel weit gespannt, der Wind trägt mich mühelos. Unter mir liegt das Gebäude wie ein heller Stein im Grün, und die Menschen darunter streiten um einen Handel, den ich nur als ferne Unruhe wahrnehme. Ein Abkommen zwischen dem Mann im Haus und dem fernen Herrn in Moskau über russischen Diesel – unten nennen sie es einen Sieg für beide Seiten. Aus meiner Höhe sehe ich vor allem, wie die Flügel der anderen schlagen und die Luft voller Gegenwind ist.

Die Stimmen aus dem Kongress steigen laut zu mir auf. Senatoren aus beiden Lagern verlangen, dass der Handel sofort zurückgenommen wird. Sie verweisen auf ein Gesetz von 2022, das den Import russischer Energieträger verbot, damit kein Geld in die Kriegskasse fließt, solange der Angriff auf die Ukraine weitergeht. Der Mann im Weißen Haus habe allein entschieden, ohne das Parlament zu fragen. Für viele dort unten wirkt der Deal wie eine offene Hand, die Moskau Milliarden an Entlastung reicht, während die Angriffe nicht nachlassen. Ich sehe die Schatten der Gebäude und denke an die scharfen Blicke, die von den Balkonen und Hallen nach oben gerichtet sind – nicht auf mich, sondern auf diesen Handel.

Weiter draußen, jenseits der Parkanlagen, höre ich die Experten der Energiebranche. Sie rechnen die Mengen nach und finden sie klein. Die erste Lieferung von 300.000 Tonnen deckt den Dieselbedarf der USA für kaum vierzehn Stunden. Selbst die gesamte versprochene Menge über Monate hinweg würde den Verbrauch nur für etwa neun Tage sichern. An den Tankstellen, so sagen sie, wird der Preis kaum spürbar sinken. Es ist ein Signal an die Wähler vor den Zwischenwahlen, besonders an Farmer und Lkw-Fahrer, mehr Symbol als echte Entlastung. Die eigentlichen Ursachen der hohen Preise – die Blockade der Straße von Hormus und die Angriffe auf russische Raffinerien – bleiben unberührt. Der Handel leitet russische Exporte nur um, er vermehrt das weltweite Angebot nicht. Ich gleite weiter, der Wind unter den Federn, und sehe, wie klein die Zahl im Vergleich zu den weiten Straßen und Häfen darunter wirkt.

Aus dem Haus selbst kommt die andere Stimme. Der Mann dort rechtfertigt den Schritt mit den gestiegenen Kraftstoffpreisen nach dem Konflikt mit dem Iran. Die Amerikaner sollen schnell entlastet werden. Hinter den Mauern, so heißt es, versuchen seine Gesandten, die Lockerung der Sanktionen als Hebel zu nutzen, um Moskau an den Verhandlungstisch zu bringen. Ob das gelingt, bezweifeln viele, denn die Angriffe gehen weiter. Ich drehe eine weitere Runde, die Augen scharf auf die weißen Mauern gerichtet. Der Streit bleibt unten. Für mich ist es nur der nächste Windzug über dem Haus.

 

 

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