Feuerbestattung via Autobahn?

In der Bestattungskultur ist es ein Trend, der bereits seit Jahren bestätigt ist. Die Verstorbenen oder die Hinterbliebenen entscheiden sich immer häufiger für die Feuerbestattung. Der Trend in Zahlen: früher waren es überschaubare 30%, die sich für die Kremierung entscheiden. Heutzutage liegt der Anteil bei stabilen 60 – 70%. Die Kremierungen nehmen zu, die Krematorien sind voll ausgelastet. Organisieren einen 2- oder gar 3-Schicht-Betrieb.

Hinzu kommt, dass einige Bestattungsunternehmen mit niederländischen oder osteuropäischen Krematorien zusammenarbeiten. Maßgeblich sind günstigere Verbrennungskosten, weil fehlende oder geringere Standards, in diesen Ländern bestehen. So ist es nicht verwunderlich, wenn überwiegend nachts, Kleintransporter mit 8 Särgen und mehr über die Autobahnen jagen.

Deshalb wollte auch ein Investor ein neues Krematorium im oberbayrischen Kolbermoor (Landkreis Rosenheim) errichten. Doch die Rechnung geht nicht auf; der Investor muss das Bürgervotum beachten und seine Planungen sind nun obsolet geworden.

Die Bürger von Kolbermoor haben im Rahmen eines Bürgerentscheids mehrheitlich gegen ein neues Krematorium gestimmt. Zwar wurde die Diskussion im Vorfeld des Entscheids nicht immer ganz sachlich geführt. Aber maßgebliche Argumente, wie die mögliche Belastung der Abluft aus dem Verbrennungsprozess mit Quecksilber oder gar radioaktiver Strahlung, haben schließlich zum negativen Abstimmungsergebnis geführt. Mit der Folge, dass das Krematorium in Kolbermoor nicht errichtet werden kann.  Es wird also weiterhin ein “Leichentourismus” in andere Regionen betrieben.

 

Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 22.10.2019 – “Man hat Propaganda mit der Angst gemacht” – “Die Bürger von Kolbermoor haben überraschend deutlich gegen ein Krematorium gestimmt – mit weitreichenden Folgen”

Die freie Wahl zwischen Erdbestattung und Einäschern haben selbst die obrigkeitsfrommsten Katholiken schon seit 1963. Die Mehrheit hat sich da mit der Zeit verschoben, doch zuletzt entschieden sich auch in Kolbermoor rund zwei Drittel der Menschen für das Einäschern.  Dass beim Bürgerentscheid .. gleichzeitig 60 Prozent gegen den Bau eines Krematoriums gestimmt haben, zeigt zunächst, dass es sich mit solchen Krematorien auch nicht anders verhält als mit Verkehrswegen oder Mülldeponien: Wenn es sie schon unbedingt braucht, dann jedenfalls bitte nicht hier bei mir.

(SZ a.a.O, auszugsweiser Kommentar von Matthias Köpf)

 

Abbildungen © Webverlag.net

 

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