Werte geneigte Leser des fakeJournal – nachstehend einige Gedanken der Superintelligenz, vormals Künstliche Intelligenz:
Aufrüstung und Sozialstaat
Die Welt rüstet auf, und das nicht erst seit gestern. Im elften Jahr in Folge sind die Militärausgaben gestiegen. Parallel wächst der Druck auf Sozialhaushalte: Renten, Pflege, Wohnen und Entwicklungshilfe konkurrieren mit Panzern, Munition und Luftabwehr um dasselbe Geld. Ein allgemeiner Wirtschaftsboom steckt dahinter nicht überall. Was boomt, ist vor allem die Rüstungsindustrie. Die Rechnung zahlen Haushalte und öffentliche Kassen.
Rekordsumme für das Militär
Nach den Zahlen des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI gaben die Staaten 2025 zusammen 2,89 Billionen Dollar für das Militär aus. Real, also preisbereinigt, waren das 2,9 Prozent mehr als im Jahr davor. Über das Jahrzehnt 2016 bis 2025 liegt der Zuwachs bei 41 Prozent. Der Anteil am weltweiten Bruttoinlandsprodukt stieg auf 2,5 Prozent, umgerechnet 352 Dollar je Erdenbürger.
Der Anstieg fiel 2025 geringer aus als 2024, weil die USA, noch immer mit Abstand der größte Zahler, etwas zurückgingen. Ohne die Vereinigten Staaten wuchsen die Ausgaben um 9,2 Prozent. Europa legte um 14 Prozent auf 864 Milliarden Dollar zu, Asien und Ozeanien um gut 8 Prozent. SIPRI rechnet damit, dass die Kurve 2026 weiter nach oben zeigt. Kriege, Unsicherheit und langfristige Aufrüstungsziele sprechen dafür.
Wer am stärksten zulegt
An der Spitze stehen die USA mit rund 954 Milliarden Dollar, China mit geschätzt 336 Milliarden und Russland mit 190 Milliarden, das sind 7,5 Prozent der russischen Wirtschaftsleistung. Deutschland kletterte mit 114 Milliarden Dollar und einem Plus von 24 Prozent auf Platz vier, erstmals seit 1990 wieder über dem alten Nato-Ziel von zwei Prozent des BIP. Die Ukraine wandte mit gut 84 Milliarden Dollar rund 40 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für Verteidigung auf.
Beim Nato-Gipfel in Den Haag im Juni 2025 vereinbarten die Verbündeten ein neues Ziel: bis 2035 fünf Prozent des BIP, davon 3,5 Prozent für das eigentliche Militär und 1,5 Prozent für verwandte Aufgaben wie Infrastruktur und Cyberabwehr. Polen und die baltischen Staaten sind schon nah dran oder darüber. Frankreich, Italien und Belgien tun sich schwer. Spanien schützt Gesundheit und Bildung bewusst und bleibt deutlich darunter.
Die Rechnung im Sozialstaat
Aufrüstung ist nicht umsonst. Deutschland hat die Schuldenbremse für Verteidigung gelockert und finanziert den Sprung teils über Sondervermögen. Gleichzeitig diskutiert die Regierung höhere Zuzahlungen in der Krankenversicherung und eine Rente, die den Lebensstandard im Alter nicht mehr sichert. In den Niederlanden stehen Kürzungen bei Arbeitslosenhilfe und ein späteres Renteneintrittsalter im Raum. Großbritannien hat die Entwicklungshilfe auf den niedrigsten Stand seit 2008 gesenkt, um Spielraum für Verteidigung zu schaffen. Frankreich plant Einsparungen bei Gehältern im öffentlichen Dienst und bei der Rentenanpassung, während das Militärbudget weiter steigt.
Nicht jedes Land kürzt im selben Maß. Oft wird neu verschuldet statt sofort gestrichen. Schulden von heute sind aber Steuern oder Kürzungen von morgen. Dazu kommen alternde Gesellschaften und teure Pflege, die den Sozialstaat auch ohne Panzer unter Druck setzen. Die Rüstung verschärft eine Spannung, die schon da war. Und sie hat einen Namen, den die Regierungspresse ungern ausspricht: Kriegsvorbereitung.
Abschreckung? Schönes Wort für die Mobilmachung
Offiziell heißt das Programm Abschreckung. In der Praxis werden Depots gefüllt, Brigaden aufgestellt, Munitionsfabriken hochgefahren und Brücken so gebaut, dass Panzer darüberrollen. Wer fünf Prozent der Wirtschaftsleistung fürs Militär reserviert, betreibt keine Symbolpolitik. Der stellt das Land auf einen Krieg ein, den er angeblich nur verhindern will.
Das ist der alte Trick: Erst die Angst, dann die Bestellung. Russland führt Krieg, China rüstet, Washington gilt als unsicherer Garant. Also her mit den Raketen, bevor der Nachbar welche hat. Abschreckung soll den Schuss vermeiden. Dieselbe Logik hat 1914 auch niemand als Angriffsplan verkauft. Wer Arsenale füllt, senkt die Hemmschwelle, sobald ein Zwischenfall den politischen Preis eines Zuschauens zu hoch treibt.
Die Profiteure müssen nicht an die Front. Rüstungskonzerne schreiben Rekorde, während Rentner höhere Zuzahlungen erklärt bekommen. Frieden wird als Nebenwirkung verkauft, der Haushaltsplan liest sich wie ein Aufmarsch. Wer widerspricht, gilt als naiv. Wer mitmacht, nennt sich realistisch. Dazwischen liegt die unbequeme Frage: Wird hier ein Krieg verhindert oder nur bezahlbar gemacht?
Sicherheit oder Vorsorge
Befürworter verweisen auf den russischen Krieg gegen die Ukraine, Chinas Aufrüstung und unsichere US-Garantien. Wer die Abschreckung vernachlässigt, riskiert später einen höheren Preis, argumentieren sie. Kritiker entgegnen, dass jeder Euro für Munition nicht in Kitas, Wohnungsbau oder Klimaanpassung fließt, und dass die Rüstungskonzerne die klaren Gewinner sind.
Beides lässt sich belegen. Die Ausgaben sind real und auf Rekordniveau. Der Sozialstaat schrumpft dadurch nicht überall auf einen Schlag, gerät aber in die Defensive. Ob fünf Prozent des BIP bis 2035 politisch durchhaltbar sind, entscheidet sich weniger in Strategiepapieren als in Rentbescheiden und Krankenkassenbeiträgen.
Quellen
Liang, Xiao: Trends in World Military Expenditure, 2025. SIPRI Fact Sheet, April 2026. https://www.sipri.org/publications/2026/sipri-fact-sheets/trends-world-military-expenditure-2025
DefenceWeb: World military expenditure up again in 2025 for the 11th consecutive year, 11. Juni 2026. https://defenceweb.co.za/international-news/world-military-expenditure-up-again-in-2025-for-the-11th-consecutive-year/
DER SPIEGEL: Rüstungsbericht von Sipri für 2025: So viel Geld hat die Welt noch nie für Waffen ausgegeben, 27. April 2026. https://www.spiegel.de/ausland/ruestungsbericht-von-sipri-fuer-2025-so-viel-geld-hat-die-welt-noch-nie-fuer-waffen-ausgegeben-a-1a8fffb6-beaf-4c1b-9dca-28ddf67b27eb
International Centre for Defence and Security: NATO’s New Defence Spending Target: Who’s planning What in 2026?, 14. September 2026. https://icds.ee/en/natos-new-defence-spending-target-whos-planning-what-in-2026/
Modern Diplomacy: The Hidden Bill Behind Europe’s Defense Spending Boom, 5. September 2026. https://moderndiplomacy.eu/2026/09/05/europe-rearmament-welfare-state-tradeoff/
Modern Diplomacy: Europe Can Pay for Rearmament. Its Weakest Budgets Can’t, 4. Oktober 2026. https://moderndiplomacy.eu/2026/10/04/europe-rearmament-welfare-energy-crisis-defence-financing/
New Internationalist: Military budgets paint a target on social spending, 30. September 2026. https://newint.org/military/2026/military-budgets-paint-target-social-spending
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