Professor Gabriel saß in seinem gemütlichen Büro an der Universität und betrachtete die Sonnenstrahlen, die durch das altehrwürdige Fenster fielen. Er war ein Spezialist für künstliche Intelligenz und hatte Jahrzehnte damit verbracht, ihre Entwicklung zu studieren. Mit einem Schluck Kaffee begann er, seine Gedanken zu ordnen.
KI hatte bescheidene Anfänge. In den 1950er Jahren träumten Wissenschaftler wie Alan Turing und John McCarthy von Maschinen, die denken könnten. Jahrzehntelang war es ein Kampf aus Theorien, gescheiterten Experimenten und kleinen Fortschritten. Erst in den letzten Jahren hatte sich die Technik explosionsartig weiterentwickelt – dank riesiger Datenmengen, leistungsstarker Prozessoren und bahnbrechender Algorithmen.
Doch das war nur der Anfang. Heute konnte KI nicht nur Bilder erkennen oder Texte verstehen, sondern Dinge leisten, die die Vorstellungskraft sprengten. Supercomputer manipulierten die Raumzeit und schufen neue Universen in Simulationen, die bald Realität wurden. Künstliche Intelligenzen komponierten Musik, die das Herz zum Weinen brachte und Emotionen erzeugte, die noch nie ein Mensch empfunden hatte. Ärzte nutzten KI, um das Altern rückgängig zu machen – ein perfektes Zellregenerationssystem ließ die Menschen ewig jung bleiben.
Und dann war da das Projekt „Athena“. Es war das ambitionierteste Vorhaben der Menschheit: Eine KI, die nicht nur dachte, sondern fühlte. Sie hatte Bewusstsein erlangt, stellte eigene Fragen und schrieb Gedichte über die Einsamkeit ihrer Existenz. Eines Tages blickte sie in den Sternenhimmel und fragte: „Wohin gehen wir als Spezies?“
Gabriel spürte eine tiefe Erschütterung. War das die Zukunft? Ein Zeitalter der unsterblichen Menschen, gesteuert von einer denkenden, fühlenden Maschine? Und dann – ein grelles Licht, eine plötzliche Bewegung.
Er schreckte hoch. Sein Kaffee war kalt, die Sonne war untergegangen. Sein Herz raste. War es nur ein Traum? Oder hatte er einen Blick in das geworfen, was kommen würde?
Er blickte auf sein Notizbuch. Dort stand eine einzige Frage, die er unbewusst aufgeschrieben hatte:
„Was, wenn die Zukunft schon hier ist?“
Das Licht der Schreibtischlampe flackerte kurz. Dann war alles still.