Nervt die Presse? Die Presse nervt! Zumindest dann, wenn man den Eindruck hat, dass weniger berichtet als vielmehr dirigiert wird. Natürlich, offiziell informiert sie nur. Inoffiziell aber jongliert sie mit Themen wie ein Zirkusdirektor mit brennenden Keulen: Hier ein Skandal in Dauerschleife, dort ein Weltproblem im Kleingedruckten, und irgendwo dazwischen verschwindet das, was man Realität nennen könnte.

Die berühmte vierte Gewalt im Staat hat keine Panzer, keine Gesetze, keine Haftbefehle. Sie hat etwas viel Praktischeres: die Titelseite. Wer die Titelseite kontrolliert, kontrolliert das, worüber am Küchentisch, im Büro und auf Familienfeiern gestritten wird. Heute ist Thema X das Wichtigste der Welt, morgen Thema Y, übermorgen Thema X wieder, aber jetzt mit neuem Experten, der das Gleiche anders sagt.

Und währenddessen liegen andere Themen wie vergessene Aktenordner in einem dunklen Flur: vorhanden, aber offenbar nicht pressetauglich. Man könnte fast glauben, es gäbe eine geheime Redaktionsregel: Wenn etwas kompliziert, langfristig wichtig oder schwer in drei Sätze zu pressen ist, dann bitte ab in die Randspalte oder gleich ganz in den Papierkorb.

Der Leser sitzt derweil vor seinem Bildschirm oder seiner Zeitung und denkt: Interessant, worüber wir heute alle sprechen sollen. Denn genau so fühlt es sich an: nicht wie eine Einladung zur eigenen Meinungsbildung, sondern wie ein Stundenplan. Erste Stunde: Empörung. Zweite Stunde: Angst. Dritte Stunde: Expertenrunde. Hausaufgabe: dieselbe Meinung wie gestern, nur mit
neuem Hashtag.

Natürlich, die Presse betont, sie bilde nur ab, was wichtig sei. Praktischerweise entscheidet sie auch gleich mit, was wichtig ist. Das ist effizient. Warum sollte der Leser sich selbst durch Themen wühlen, wenn andere das schon sortiert haben? So spart man Zeit, Nerven und im Idealfall auch das eigene Nachdenken.

Am Ende bleibt ein merkwürdiges Gefühl: Man ist bestens informiert und gleichzeitig seltsam ahnungslos. Man weiß alles über das Aufregerthema der Woche, aber kaum etwas über die stillen, zähen Entwicklungen, die das eigene Leben langfristig prägen. Doch keine Sorge, die vierte Gewalt kümmert sich darum, dass wir uns mit den richtigen Dingen beschäftigen. Was wir denken
sollen, ergibt sich dann ganz von selbst.

Nervt die Presse? Die Presse nervt. Aber sie tut es mit System, Struktur und einem sicheren Gespür dafür, welche Schlagzeile wir heute brauchen, um morgen wieder einzuschalten. Und falls doch einmal ein wichtiges Thema durchrutscht: Keine Panik. Es war vermutlich sowieso zu kompliziert.

Hallo, ich bin Yo. Früher habe ich Betriebswirtschaftslehre studiert, heute widme ich mich voller Begeisterung  dem Studium der frühkindlichen Erziehungswissenschaften. Als Studentin, Hausfrau und Mutter, sowie Blogtrustee, Autorin und Schauspielerin jongliere ich täglich zwischen Theorie, Alltag und Kinderlachen – und genau das inspiriert mich immer wieder aufs Neue. Es ist mir eine große Freude, meine Gedanken, Ideen und Erfahrungen hier im fakeJournal zu Papier zu bringen – selbstverständlich in elektronischer Form, aber mit genauso viel Herz wie auf echtem Papier.

 

 

 

 

 

 

 

 

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